Frühling

Guten Tag Herr Guthmann. Schon allein wegen der zahlreichen Fachbücher, die Sie über die Welt der Pilze verfasst haben, lässt sich bei Ihnen ein großes Interesse an Pilzen und der Mykologie vermuten. Möchten Sie kurz zusammenfassen, wie es zu dieser Faszination gegenüber Pilzen gekommen ist?

Ganz frühe Kontakte hatte ich bei den ersten „Pilzpirschen“ mit meinem Vater. Viele Jahre später war das Interesse zunächst eher allgemein biologisch wissenschaftlich, aber immer blieb diese geheimnisvolle Aura, die Pilze umgibt. Sie dringen meist plötzlich in unser Bewusstsein, weil wir sie zunächst eher zufällig wahrnehmen. Hat ein Exemplar dann unsere Aufmerksamkeit gepackt und wir durchforsten gezielter Wald und Flur, so merkt man schnell, wie viele unterschiedliche Formen und Farben es gibt. Dann erfährt man von ihrer Lebensweise und wie eng sie mit den Bäumen und Pflanzen verbunden sind, welch wichtige Rolle sie als Recycler spielen, welch interessante Inhaltsstoffe sie bilden. Das alles hat mich immer mehr fasziniert und einfach nicht mehr los gelassen.
…Und… Viele Dinge sind noch gar nicht bekannt. Immer wieder etwas Neues von den Pilzen!
Als mir eines Tages klar wurde, dass Pilze auch in der Heilkunde eine wichtige Rolle spielen können, hatte ich genau Mein Thema. Denn dazu gab es einfach keine gute Literatur. Vieles war bekannt, aber bis dahin hatte sich noch niemand die Mühe gemacht, das Wissen zu bündeln…

In einigen Ihrer Bücher, darunter zum Beispiel auch im „Taschenlexikon der Pilze Deutschlands“, befassen Sie sich unter anderem mit der Beschreibung der verschiedenen Pilze zur einfachen Bestimmung für Pilzsucher und -interessierte. Woran lassen sich die essbaren von den giftigen Pilzen denn am besten und einfachsten unterscheiden?

Pilze kann man nicht „einfach“ unterscheiden, schon gar nicht von giftigen Arten!
Das muss man von erfahrenen Kennern lernen, ohne Wenn und Aber. Da helfen auch Bücher nicht und schon gar keine Apps.
Wer Pilze sammeln und essen will, muss sich über „seine Arten“ absolut sicher sein!
Als kleine Einschränkung möchte ich trotzdem sagen, dass viele Menschen zumindest in der Lage sind, den Pfifferling oder den Steinpilz und ein paar weitere Arten mit hinreichender Sicherheit zu erkennen und dann auch zu sammeln.
Pilzvereine bieten in vielen Gebieten hervorragende Pilzlehrwanderungen an, meist sogar kostenlos, dass ist unbedingt zu empfhlen!

In der Welt der Pilze kennen Sie sich offensichtlich sehr gut aus. Welche Speisepilze schätzen Sie denn am meisten und warum?

Steinpilze und Pfifferlinge, die haben einfach ein tolles Aroma! Ich mag aber auch den Duft von Edeltrüffeln, die aus vielen einfachen Gerichten etwas Besonderes machen.

Der Bereich der Pilze ist ja ein durchaus komplexes Thema. Gerade in welchen Wäldern welche Pilze wachsen können ist nicht nur für Anfänger meist schwer zu erkennen. Daher ganz platt gefragt: In welchem Wald kann man Pilze sammeln?

In jedem Wald und Wiese, wo sie wachsen. Auch ich bin immer wieder erstaunt, darüber, dass ich durch Wälder streife, in denen ich (viele) Pilze vermuten würde und da ist nichts und dann stolpert man in ein Gebiet und alles ist voll. Natürlich spielt auch die Jahreszeit und die Witterung eine besondere Rolle und niemand weiß, ob nicht vor ein paar Stunden ein Anderer alles weggesammelt hat…
Mit einiger Erfahrung bekommt man ein Gespür für Pilzplätze. Das muss man ebenso lernen wie die feinen, für einen Laien oft nicht richtig fassbaren Unterschiede bei den Merkmalen.

Viele Pilzsammler bereiten die erbeuteten Delikatessen frisch zu. Doch was halten Sie von den Alternativen: Pilze trocknen oder einfrieren?

Ich mag gerne getrocknete Pilze, beispielsweise die super getrockneten Steinpilze und Shii-Take von Pilze Wohlrab. Ich verwende viel Pilzpulver in allerlei Speisen. Die sind praktisch, immer verfügbar, einfach zu handhaben, preisgünstig und verfeinern viele Gerichte.

Es wurde schon einmal in einem vorherigen Blogbeitrag von Pilze Wohlrab erwähnt: Die Streitfrage – Pilze abschneiden oder herausdrehen – ist eine immer noch aktuelle Diskussion, der auch ich mir jedes Mal stellen muss, wenn ich mit jemandem zum ersten Mal Pilze sammeln gehe. Was ist hierzu Ihr Standpunkt aus wissenschaftlich fundierter Sicht?

Pilze sollte und darf man ruhig herausdrehen und dann die Stelle mit Erde oder Moos wieder bedecken, damit das Mycel nicht austrocknet. So hat man gegebenenfalls auch den unteren Teil des Pilzes als Bestimmungsmerkmal, was in Zweifelsfällen wichtig ist. Viele Arten stecken erstaunlich tief im Boden, warum sollte man dieses Material verschenken? Einige Fachleute sind der Ansicht, dass ein eventuell verbleibender Fruchtkörperrest auch Fliegen oder andere Parasiten anzieht, die dem Mycel schaden könnten…

Der Herbst ist bekanntermaßen die Saison der Pilze. Doch Ihnen als Pilzexperten brauche ich sicher nicht zu erklären, dass es Pilze nicht nur im September und Oktober gibt. Welche Pilze kann man denn wann finden und warum?

Pilze wachsen fast immer, außer es ist besonders trocken. Mittlerweile ist ja auch hinlänglich bekannt, dass es leckere und gesunde Winterpilze, wie den Austernseitling und den Samtfußrübling gibt. Im Frühjahr kommen die Morcheln und der Mairitterling und so geht es im Jahresverlauf weiter… Verschiedene Pilze haben unterschiedliche Ansprüche an die Temperatur oder an ihre Nährstoffversorgung und viele weitere Dinge, die das Mycel zur Bildung von Fruchtkörpern veranlassen.

Wie gestaltet sich eigentlich ein möglichst nachhaltiges und pilzverträgliches Pilzesammeln? Wie sammelt man Pilze richtig?

Man sollte nur Arten sammeln, die man sicher kennt und auch von denen nur junge festfleischige und makellose Exemplare. Alte schon sehr große Exemplare (ja, auch die des Steinpilzes) sollte man unbedingt stehen lassen, damit sie ihre Sporen freisetzen können.
Bitte tretet keine Pilze um, die ihr nicht kennt und auch keine Giftpilze. Pilze sind schön und außerordentlich wichtig für unseren Wald.
Gesammelt wird in einem luftigen Flechtkorb. Ist man sich nicht sicher, nimmt man in einem separaten Behältnis ein Exemplar mit allen Merkmalen mit zur Pilzberatungsstelle. Pilze sollte man auch bald verarbeiten und nicht tagelang im warmen Auto lassen.
Von einigen Arten muss man die klebrige Huthaut abziehen, damit sich darin nicht Schmutz und Nadeln verfangen.

Herzlichen Dank für das Interview, Herr Guthmann. Alle, die mehr über die Welt der Pilze erfahren wollen, können in Ihrem Buch spannende Einblicke erhalten.

Schon früher als Kind bin ich begeistert durch den Wald spaziert und habe mit einem Strahlen im Gesicht die Pilze ins Körbchen gelegt. Bei Pilze Wohlrab kann ich meine große Leidenschaft, das Pilze Suchen, mit meinem dualen Studium verknüpfen.