Funghi Fashion – eine Alternative mit Zukunft!
Fast Fashion ist ein echtes Problem unserer Zeit. Um die 60 Teile kaufen wir im Durchschnitt pro Jahr, die wenigsten von uns bei Fair Fashion Labeln oder gebraucht. Trends wechseln immer schneller und es gibt bis zu 8-10 Kollektionen pro Jahr, nicht mehr wie einst für jede Jahreszeit eine. Viele Anziehsachen der gängigen Geschäfte aus Fußgängerzonen sind made im Ausland – meist in Bangladesch. Mit Nachhaltigkeit hat das nichts zu tun – selbst wenn wir sie dann lange im Schrank haben und regelmäßig tragen. Nicht einmal das ist meist der Fall.
Fast Fashion und die Probleme die sie verursacht
Das Problem am immer mehr produzieren und dann nach kurzem Tragen durch Neues ersetzen ist, dass die Produktion viel mehr kostet als die Anziehsachen selbst. Diese Kosten trägt aber nicht der Konsument oder die Konsumentin, sondern die Arbeiter:innen, die Umwelt und je nach Stoffen auch die Tiere.
Es gelangen chemische Färbemittel und Gerbstoffe ins Grundwasser, Fabrikflüssigkeiten werden in Flüsse gekippt und nicht verwertete (Plastik-)Stoffreste verbrannt. Verbrennt man Acryl entsteht übrigens Blausäure, die über die Atemwege und die Haut in den Organismus gelangen kann.
Die Fellkragen die an vielen Winterjacken- und Mänteln so modern sind, enthalten zum Teil tierische Echtpelzanteile – denn diese können billiger produziert werden, als echt wirkender Kunstpelz. Ausgewiesen wird das gar nicht, oder so verschleiert, dass man es als Laie nicht sofort erkennt. Dort steht dann nicht das betreffende Tier, sondern „Kidus“ (Baummarder), „Kojah“ (Nerz) oder „Ljaguschka“ (Eichhörnchen). Wie diese Tiere gehalten werden, deren Fell billiger ist als Kunstfasern, kann von Tierschutz nur sehr weit entfernt sein.
Alle Fasern, woher sie auch stammen mögen, werden in den meisten Fabriken von den Arbeiter:innen ohne Schutzkleidung verarbeitet. Generell ist Arbeitsschutz selten gewährleistet. Die Näher:innen arbeiten jeden Tag, ohne Wochenende deutlich mehr als die 8 – maximal 10 Stunden, die hier erlaubt sind. In Niedriglohnländern wie Bangladesch ist auch Kinderarbeit verbreitet. Schutzkleidung gibt es in den meisten Fabriken nicht, chemische Färbemittel und Gerbstoffe reizen Haut und Atemwege. Nur jede zehnte Fabrik gewährt sozialere Bedingungen.
Neben den schlechten Arbeitsbedingungen für circa vier Millionen Menschen die in Bangladesch in der Textilindustrie arbeiten, ist auch die Gebäudesicherheit ein Thema. Im April 2013 stürzte ein 8 stöckiger Fabrikkomplex (Rana Plaza) in der Hauptstadt Bangladeschs ein. Mehr als 1100 Menschen starben, es gab über doppelt so viele Verletzte. Der Fabrikbesitzer wurde ein Jahr später inhaftiert – erst einmal „nur“ weil er seine Konten nicht offen gelegt hat. Es steht der Vorwurf des Massenmordes aus, die marode Bausubstanz wurde nämlich bereits einen Tag vor Einsturz bekannt. Der Zutritt wurde polizeilich verboten – die Arbeiter:innen wurden trotzdem in die Fabrik geschickt. Damit wurde billigend in Kauf genommen, dass das Gebäude einstürzen wird.
Dass Menschen für unsere Textilien leiden, ist nicht verantwortbar. Dennoch geschieht es mit nahezu jedem Billigteil, das wir kaufen.
Wir können nun also fair produzierte Anziehsachen kaufen. Was bleibt sind die hohen Materialkosten für die Umwelt. Plastik ist schwierig abbaubar, wird jedoch für jede Kunstfaser benötigt. Beim Waschen löst sich dann Mikroplastik mit einzelnen fasern heraus und gelangt so in unser Wassersystem.
Einen Lichtblick stellen hier natürliche Materialien dar, von denen es nun eines mehr auf den Markt zu schaffen scheint: Pilzmyzel. In der Baubranche wird bereits geforscht wie ersetzbar kostenintensive Baumaterialien sind. Es gibt schon Fahrradhelme, deren Styropor durch Pilze ersetzt wird. Nun zieht auch die Textilindustrie nach: Funghi Fashion!
Funghi Fashion – Leder aus Pilzen
Los geht’s mit Leder. Die Gerbstoffe sind weder gut für die menschliche Haut, in die sie immernoch eindringen können, noch für die Umwelt – noch ist Leder generell gut für die Tiere, die dafür ihre Haut lassen müssen. Die Suche nach Alternativen ist also keine Überraschung und einige Designer wie Stella McCartney verzichten grundsätzlich auch tierisches Leder und setzen seit Jahren auf Alternativen. Es gibt diverse mehr oder weniger geglückte Versuche, doch viele Lederalternativen basieren auf Erdöl und sind damit auch nicht besonders nachhaltig. Da kommen die Pilze ins Spiel! Hermès und Adidas experimentieren bereits mit Pilzleder, Lululemon hat bereits eine Yoga-Kollektion aus Pilzen auf dem Markt. Verwendet wird bei der Herstellung von Pilzleder das Myzel, das ähnlich wie in der Papierherstellung nach der Ernte mit Wasser vermischt wird. Im Gegensatz zu Tierleder verbraucht der Pilz deutlich weniger bis zur Erntereife. Er muss nicht gefüttert werden, benötigt kein Heu oder Stroh und auch weniger Wasser als eine Kuh. Auch wächst er viel schneller „nach“. Nach 3 Wochen ist das Myzel schon fertig. Die Pilze können in der Natur wachsen, aber auch im Labor und sind damit überall auf der Welt verfügbar. Auch die Herstellung vom Endprodukt ist bei Pilzleder im Vergleich zur Kuh deutlich einfacher und weniger Müllintensiv: Die endgültige Form kann direkt bei Herstellung erreicht werden, es gibt also kaum Verschnitt. Pilzleder ist also eine echte Alternative: Umweltfreundlich & Tierleidfrei. Funghi everywhere: Wie Pilzleder gerade die Modewelt erobert – Fashion Changers
Textilien aus Pilzen
Dass Pilze nachhaltiger und leidfreier als Leder sind, liegt auf der Hand. Aber auch Baumwolle benötigt viel Wasser im Anbau und ist alles andere als umweltfreundlich. Daher forscht die TU Berlin seit 2 Jahren an Pilzen, die Kleidung werden sollen. 1 Kilo Baumwolle benötigt im Wachstum ca. 10000 Liter Wasser. Ein Kilo Pilztextil ledigliche 100 Liter. Bereits 2016 hat ein Niederländer ein Minikleid als Prototyp aus Pilzen hergestellt. Auch alte Museumsfunde beweisen: die Idee aus Pilzen Anziehsachen herzustellen kommt aus der Vergangenheit und hat Zukunft. Taschen aus Pilzen wurden von indigenen Völkern bereits vor etwas mehr als 100 Jahren hergestellt. Das Material ist robust, nachhaltig und wächst unkompliziert und schnell. Textilien aus Pilzen könnten neben Taschen, Matten und Lederalternativen also wirklich Zukunft haben. Wir sind gespannt & freuen uns!
