Frühling

Mikrobiom: was ist das?

Früher hieß sie Darmflora, heute spricht man vom Mikrobiom. Das Mikrobiom bezeichnet die Bakterien, die in unserem Darm leben. Je ausgeprägter und vielfältiger die Besiedelung, desto gesünder sind wir. Je mehr Bakterien desto besser? Im Darm ist das tatsächlich so. Es kommt aber natürlich darauf an, um welche Bakterienarten es sich handelt. Insgesamt machen die Bakterien einen so großen Anteil in unserem Darm aus, dass Wissenschaftler sogar von einer Symbiose zwischen uns als Wirt und unserem Mikrobiom sprechen. Auf eine menschliche Zelle im Körper kommt eine mikrobielle, das bedeutet wir bestehen aus ebenso vielen eigenen Zellen, wie wir Bakterien in uns beherbergen. Dieses Prinzip konnte sich evolutionär nur durchsetzen, weil wir als Menschen davon profitieren.

Welchen Einfluss hat unser Darm auf die Gesundheit?

Je artenreicher die Bakterienvielfalt in unserem Darm, desto besser und gesünder leben wir. Das Mikrobiom hat verschiedene Aufgaben, die es je besser es mit Bakterien ausgestattet ist, auch besser bewältigen kann. Dazu zählen die Immunabwehr und die Unterstützung der Verdauung, aber auch die Steuerung des zentralen und des enterischen Nervensystems. Im Körper besteht sogar die sogenannte „Darm-Hirn-Achse“, die sich umgangssprachlich wohl als unser Bauchgefühl beschreiben ließe. So reagiert das Mikrobiom auf Signale aus dem Gehirn (etwas schlägt uns auf den „Magen“) und kann umgekehrt auch unser emotionales Verhalten beeinflussen.

Der Einfluss der Darmflora auf unsere Figur

Wie eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, hat das Mikrobiom aber auch Einfluss auf unsere Figur und reguliert wie schnell wir zu- oder abnehmen. Hier wurde sterilen Mäusen, also Mäusen, die keine eigene Darmflora besaßen, das menschliche Mikrobiom von Zwillingen verabreicht. Ein Zwilling war schlank, der andere übergewichtig. Anschließend wurden die Mäuse identisch gefüttert, wobei die Gruppe mit dem „schlanken Mikrobiom“ schlank blieb, während die andere Gruppe deutlich an Gewicht zunahm.

Ein Tierversuch lässt sich natürlich nicht 1 zu 1 auf den Menschen übertragen, aber die Studie zeigt dennoch, was für einen gewaltigen Einfluss das Mikrobiom auf Säugetiere hat, wie auch die deutsche Gesellschaft für Mukosale Immunologie und Mikrobiom in einem zusammenfassenden Artikel im März 2014 bekannt gibt. Pressemitteilung zu Adipositas und Darmmikrobiota: Deutsche Gesellschaft für mukosale Immunologie und Mikrobiom (dgmim.de)

Wie kommt das Mikrobiom zu Stande?

Den mit Abstand größten Einflussfaktor haben wir selbst in der Hand: die Ernährung.

Einen gewissen Anteil der Bakterien haben alle Menschen gemeinsam. Der variable Anteil hängt vom Lebensstil, Erkrankungen und den individuellen Umwelteinflüssen eines jeden einzelnen ab, denn die Darmflora entwickelt sich stetig weiter. Schon bei der Geburt bekommen Babys, die auf natürlichem Weg geboren werden, die Bakterien der Mutter mit auf den Lebensweg. Diese legen einen ersten Grundstein, sind aber keineswegs allein dafür verantwortlich, wohin die Reise geht. Mit Abstand am besten können wir den Darm mit unserer Ernährung beeinflussen. Mit ausgewogener und abwechslungsreicher Kost fördern wir Diversität und Bakterienmenge. Je vielfältiger und reichhaltiger das Mikrobiom, desto besser kann es fremde und schädliche Bakterien abwehren.

Wie ernähre ich meinen Darm am besten?

Je abwechslungsreicher wir uns ernähren, desto vielfältiger sind auch die Bakterien in unserem Darm aufgestellt, die uns unter anderem bei der Verdauung helfen. Mit einer ausgewogenen, vielseitig gestalteten Ernährung helfen wir uns also schon am allermeisten, in dem wir ganz natürlich die Diversität im Darm aufrechterhalten. Dazu hat die deutsche Gesellschaft für Ernährung 10 Ernährungsregeln aufgestellt, die uns helfen gesund zu essen.

Die Hauptgattung der im Darm vorkommenden Bakterien machen laut dem Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung mit 50% die Prevotella aus. Welche Arten genau, ist bisher nicht erforscht. Die Verwertung des Ballaststoffes Arabinoxylan hat es dieser Gattung ermöglicht, sich durchzusetzen. Ernähren wir uns ausgewogen und führen viele pflanzliche Zellwände (z.B. Roggenkleie) zu, leben die Prevotella sehr gut. Wird die Kost-Zusammensetzung geändert und der Zucker- und Fettanteil erhöht, schwindet die Menge dieser Gattung von 50% auf 5% und die vielen verschiedenen Prevotella-Arten werden durch wenige andere Bakterien abgelöst.

Abgesehen davon kommen besonders die sogenannten Microbiota-Accessible Carbohydrates (MACs) und Polyphenole aus unserer Ernährung dem Darm nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Gute.

MACs zählen zu den Präbiotika, was bedeutet, sie dienen den Bakterien in unserem Dickdarm als Nahrung. Sie sind allen voran in Pflanzen und Pilzen enthalten und können von uns selbst gar nicht verdaut werden. Das übernimmt in dem Fall unser Mikrobiom für uns, das die MACs in Buttersäure umwandeln kann. Diese wiederum dient als Futter für die Zellen der Darmschleimhaut. Ist die Darmschleimhaut gut genährt, wird wiederum die bakterielle Vielfalt gefördert, die uns gesund erhält. Eine überwiegend nicht-tierische Kost auf pflanzlicher Basis mit reichhaltig Pilzen auf dem Teller scheint also vorteilhaft. Hierzulande ernähren wir uns maßgeblich sehr Fleisch- und zuckerhaltig und erscheint es uns oft schwierig unsere Gewohnheiten zu ändern. Dabei können uns zum Beispiel Pilze helfen. Nicht nur die Konsistenz ähnelt der von Fleisch, auch die Nährstoffe sind mehr als vielversprechend: ein hoher Eiweißanteil, ähnlich wie im Fleisch und zusätzlich diverse Mineralien, Vitamine und Spurenelemente. Was die Pilze dem Fleisch obendrein ganz klar voraus haben ist der hohe Anteil an Ballaststoffen. Mit ihrem einzigartigen Geschmack verwöhnen sie also nicht nur unseren Gaumen, sondern versorgen auch unser Mikrobiom bestens mit Präbiotika wie den MACs.

Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe. Diese gehören zwar nicht zu den energieliefernden Nährstoffen wie beispielsweise die Kohlenhydrate, sondern agieren eher wie Vitamine und Spurenelemente, sind aber genau dadurch auch besonders wichtig – nicht zuletzt für unsere Darmgesundheit, zu der sie einen erheblichen Beitrag leisten.

Unser Mikrobiom bestimmt also unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und sogar unser emotionales Verhalten mit. In welche Richtung, das haben wir mit unserer Ernährung zum Großteil selbst in der Hand.

Mein Studium im Ernährungsmanagement und der Diätetik geht genau in die Richtung, die ich auch privat verfolge: "Lieber vorsorgen und dem Körper die Chance geben, gesund zu bleiben, als hinterher zu heilen." Die Mikronährstofftherapie ist das, was mich schon in der Uni sehr fasziniert und auch beruflich darf ich in diesem Bereich in die spezielle Welt der Vitalpilze eintauchen.