Vitalpilze Blog

Der ursprüngliche Plan der Natur – und was der Mensch daraus gemacht hat

Eigentlich ist es so, dass 80% des Tagesbedarfs an Vitamin D über die Sonne gebildet werden sollen. Die orale Aufnahme über Lebensmittel hat seit jeher nur 20% der Bedarfsdeckung ausgemacht. Deswegen sind unsere Lebensmittel noch nie so reich an Vitamin D gewesen, dass eine komplette Versorgung mit Vitamin D nur über die Ernährung möglich gewesen wäre – denn das mussten sie nicht. Die Natur konnte ja auch nicht damit rechnen, dass der Mensch „plötzlich“ nichtmehr Jäger und Sammler ist, sich kaum mehr draußen aufhält.

Bis zu Industrialisierung vor gut 120 Jahren hat ein Großteil der Bevölkerung „wenigstens noch“ auf dem Feld gearbeitet und damit den Vitamin D Speicher ordentlich gefüllt – damit war sogar für den Winter vorgesorgt. Heutzutage verbringen viele von uns die sonnenreichen Mittagsstunden mit dem höchsten Anteil der wertvollen UV-B Strahlung allerdings im Büro; und auch in der Mittagspause liegen wir nicht im Bikini in der Sonne. Die ursprüngliche Versorgungsform, die den Löwenanteil der Bedarfsdeckung ausgemacht hat, fällt also nahezu komplett weg.

Exkurs in die Biochemie: so baut der Körper Vitamin D aus Sonnenlicht auf

Durch UV-B Bestrahlung der Haut wird es im Körper unter Verwendung von Cholesterin aus Vorstufen gebildet. Treffen UV-B Strahlen mit ausreichend hohem UV-Index auf die Haut, wird dort mit Hilfe von Cholesterin das Prävitamin D gebildet. Durch die Körpertemperatur wird aus der Vorstufe das Cholecalciferol, welches als Vitamin D bekannt ist. Die aktive Form wird in Leber und Niere gebildet, wobei die Umwandlung in zwei Stufen geschieht: In der Leber wird Calcidiol 25(OH)D hergestellt, welches in der Niere zum stoffwechselaktiven Calcitriol aktiviert wird. Chemisch ist diese Stufe unter 1,25(OH)2D bekannt. Calcitriol ist kein klassisches Vitamin mehr, sondern zählt zu den Prohormonen oder Steroidhormonen.

Keine Zeit für die Sonne – Problemlöser Solarium?

In den meisten Solarien wird die UV-B Strahlung herausgefiltert, weil diese erst nach einiger Zeit bräunt, der Bräunungseffekt also nicht so hoch und nicht so schnell ersichtlich ist wie bei UV-A Strahlung. UV-B Strahlen sind es aber, die den Körper zur Herstellung von Vitamin D anregen, UV-A Strahlung kann das nicht.
Wie viel Sonne brauche ich denn?

Weil der Einstrahlungswinkel der Sonne in den deutschen Breitengraden sehr flach ist, reicht die Kraft der Sonne nur in den Monaten April bis Oktober aus um den Körper anregen zu können, Vitamin D zu bilden. Der UV-Index muss dazu nämlich größer als drei sein. Im Winterhalbjahr von Oktober bis April steht die Sonne in Deutschland so tief, dass sie den Körper nicht mehr zur Herstellung von Vitamin D anregen könnte – selbst wenn wir nicht in dicke Schals, Jacken und Mützen gehüllt wären.

Wie viel Vitamin D jeder von uns aus der Sonne „ziehen“ kann, ist individuell und zudem von mehreren Faktoren abhängig. Dazu zählen:

1. Hauttyp

Je dunkler man grundsätzlich ist – und damit natürlich auch im Verlauf des Sommers wird – desto länger müsste man in der Sonne bleiben um ausreichend Vitamin D zu bilden. Denn die UV-B Strahlung, die zur Vitamin D Bildung benötigt wird, ist auch die Strahlung, die uns „nachbräunt“. Das Licht in 280 – 315nm Wellenlänge regt die Epidermis zur Neubildung von Melanin an – und das macht uns braun. Die höchste Pigmentierung erreichen wir nach etwa drei Tagen, nach knapp einer Woche ist die Bildung weiteren Melanins abgeschlossen. Bis wir wieder heller werden, also unsere Sonnenzeit zur Vitamin D Bildung sich wieder verkürzen würde, vergehen circa vier Wochen. Solange brauchen die betreffenden Hautzellen um sich einmal zu erneuern. Je weiter der Sommer voranschreitet, desto mehr Zeit benötigen wir also auch in der Sonne.

2. Dunklere Haut in Breitengraden, in denen der UV-Index zu gering ist

Waren wir kürzlich im Urlaub, kommen wir gebräunt zurück: weil der UV-Index zu Hause geringer ist, als im Strandurlaub und unsere damit Haut nun auf mehr UV-Strahlung ausgelegt, also gebräunt ist, ist unserem Körper die hiesige Strahlungsintensität zu gering, um Vitamin D bilden zu können. Erst wenn die Bräune nach etwa vier Wochen nachlässt, können wir wieder selbst genügend Sonnenvitamin bilden – vorausgesetzt unsere Sonnenzeiten stimmen.

Menschen, die von Natur aus einen dunkleren Hautton haben und in nördlichen Breitengraden leben, sind für die Vitamin D Synthese von einem höheren UV-Index abhängig. Im Zweifel reicht die Intensität der Sonne je nach Region für Menschen mit dunklem Grundton der Haut also ganzjährig nicht aus.

3. Bekleidung

Je mehr Hautoberfläche bekleidet ist, desto weniger Fläche bleibt, die Vitamin D bilden kann

4. Jahreszeit

Nur in der Zeit von April bis Oktober ist der UV-Index hoch genug, um Vitamin D bilden zu können

5. Uhrzeit

Zur Vitamin D Bildung bitte in die Mittagssonne gehen: von circa 11 – 15 Uhr ist die Zusammensetzung des UV-Lichts deutlich von UV-B Strahlen dominiert.

6. Sonnenschutzmittel

Ab Lichtschutzfaktor 30 findet die körpereigene Vitamin D Produktion schon nur noch zu 0,5% statt.

7. Alter

Je älter wir werden, desto weniger Vitamin D kann unser Körper aus dem Sonnenlicht herstellen

Und was ist mit den Risiken?

Die Vitamin D Bildung ist auf natürliche Weise begrenzt: bevor ein zu viel an Vitamin D durch Sonnenbaden entstünde, schraubt der Körper die Bildung des Vitamins weitestgehend selbst herunter. (Eine Vitamin D Toxizität durch Supplemente entsteht laut Mikronährstoffexperten übrigens auch erst ab einer oralen Einnahme von Internationalen Vitamin D Einheiten im fünfstelligen Bereich über mehrere Monate!)

Der Fachverband für Strahlenschutz äußert in seinem „Leitfaden Sonnenschutz“ Bedenken hinsichtlich der Sonnenexposition: den gesundheitsförderlichen Wirkungen (darunter fällt die Vitamin D Produktion), stehen eine Reihe gesundheitlicher Risiken gegenüber. Wissenschaftliche Untersuchungen zur „Wirkungsbeurteilung“ müssen noch zeigen, ob es chronische negative Effekte aus der Sonneneinstrahlung gibt, wenn wir so viel in der Sonne liegen, dass der Vitamin D Haushalt so gedeckt werden kann, wie die Natur es einst für uns vorsah. Dinge wie Ozonloch & Migration von hellen Hauttypen in UV-Intensive Regionen waren von der Natur so nicht vorhersehbar.

Und die Lösung?

In Lebensmitteln ist zu wenig Vitamin D, für die Sonne haben wir keine Zeit mehr und obendrein sind die Risiken in den Wellenlängen, die wir bräuchten, unklar. Was uns aber als schnelle, einfache und günstige Alternative bleibt, sind Nahrungsergänzungsmittel.