Frühling

Wir freuen uns nach langer und intensiver Zusammenarbeit mit Dr. Paul Urbain (Dr. rer. nat. im Bereich der Ernährungsmedizin und Diätetik) nun noch einmal einige Fragen im Rahmen eines Interviews an ihn stellen zu dürfen. Paul Urbain steht uns seit Beginn der Vitamin D-Reise bei Pilze Wohlrab beratend mit seiner Expertise bezüglich des Sonnenvitamins zur Seite.

Hallo Herr Urbain, schön dass sie sich Zeit für uns nehmen. Es geht in unserem Interview um eine gesunde Lebensweise und darum, was Vitamin D damit zu tun hat. Wie sieht ein gesunder Lebensstil für sie aus und was gehört alles dazu?

Für mich besteht eine gesunde Lebensweise aus vielen verschiedenen Dingen. Grundpfeiler dafür sind beispielsweise gesunde Beziehungen auf Augenhöhe, ein gutes soziales Netzwerk aus Freundschaften und Partnerschaft, regelmäßige körperliche Aktivitäten im Freien aber auch die Ernährung spielt natürlich eine Rolle. Dazu gehört eine abwechslungsreiche, vermehrt pflanzliche Kost, wenig Convenience und Fast Food. Stattdessen lieber selber kochen und nicht alleine, sondern in guter Gesellschaft essen (wenn es denn die Corona-Verordnungen zulassen…) Zu einer ausgewogenen Ernährung und Lebensweise gehört natürlich auch ein guter Vitamin- und Mineralstatus!

Was charakterisiert eine ausgewogene Ernährung für Sie?

Eine ausgewogene Ernährung hält gesund und fördert Leistung und Wohlbefinden. Wie sich das umsetzen lässt, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in 10 Regeln formuliert (https://www.dge.de/index.php?id=52) und diese stufe ich zum Großteil als sehr empfehlenswert ein.

Die einzige Regel mit der ich aus mehreren Gründen nicht konform gehe, ist die vierte, die unter anderem beinhaltet: „ein- bis zweimal in der Woche Fisch“. Den hohen pro Kopf Fischkonsum kann ich leider aus ökologischer Sicht und im Hinblick auf die Welternährung nicht unterstützen. Ernährungsphysiologisch mag die Empfehlung zunächst sinnvoll erscheinen, jedoch seien auch hier die beachtlichen Mengen an Antibiotika in Aquakulturen, sowie toxische Stoffe im Meer nicht unerwähnt.

Darüber hinaus würde ich aber sehr gerne noch eine persönliche Empfehlung aussprechen, welche auf wissenschaftlichen Ergebnissen während meiner Zeit am Universitätsklinikum Freiburg beruht. Es geht um intermittierendes Fasten. In aktuellen Versuchen konnten die so ernährten Tiere im Vergleich zu den Tieren mit konventionellem Ernährungsplan eine höhere Lebenserwartung erreichen und hatten weniger altersbedingte Krankheiten.

Ich selbst „faste“ nun schon seit mittlerweile vier Jahren. Wohlgemerkt um mich fit und gesund zu halten, nicht um abzunehmen. Dazu esse ich nur zwei Mahlzeiten am Tag: Mittag- und Abendessen. Beides fällt dann durchaus größer aus, weil ich ungerne Hunger habe und ja auch kein Kaloriendefizit beabsichtige. Damit erreiche ich meist eine Fastenzeit von 14 – 16 Stunden, ohne das Gefühl zu haben, auf etwas zu verzichten. Von strengen Dogmen halte ich nebenbei bemerkt überhaupt nichts: ich frühstücke auch trotzdem zwischendurch gerne mal mit der Familie.

Erzählen Sie doch kurz etwas über ihren persönlichen Werdegang und wie er Sie in die Ernährungsforschung geführt hat.

Nach dem Studium der Ernährungswissenschaften an der Universität Hohenheim, habe ich meine Doktorarbeit am Universitätsklinikum Freiburg zur „Bedeutung des Ernährungsstatus von Krebspatienten während der Chemotherapie“ begonnen.

Im Rahmen dessen, habe ich bereits 2011 meine Leidenschaft der Pilzzucht mit dem Beruf verknüpft und den Effekt von UV-B-behandelten Champignons im Vergleich zu einem apothekenpflichtigen Vitamin-D2-Präparat auf den Vitamin D-Status von Erwachsenen untersucht [Urbain et al., 2011].
Hier geht es zur Studie: Erste Humanstudie zur Verbesserung des Serum 25-Hydroxyvitamin D-Status (25(OH)D) durch UVB-behandelte Pilze in gesunden Erwachsenen.

Durch den Verzehr von UV-B-behandelten und somit Vitamin D-reichen Champignons konnte eine deutliche Verbesserung des Vitamin-D-Status erzielt werden. Des Weiteren konnte eine gleichwertige Bioverfügbarkeit von Vitamin D2 aus diesen Champignons und dem Vitamin-D2-Präparat nachgewiesen werden (siehe https://www.nature.com/articles/ejcn201153).

Von 2015-2017 kam zusätzlich ein großes EU-Forschungsprojekt mit 31 Partnern aus 19 Ländern mit dem Titel „Lebensmittelbasierte Lösungen für optimale Vitamin-D-Ernährung und Gesundheit in der europäischen Bevölkerung“ hinzu. Ziel war es, Vitamin-D-Mangel und -Unterversorgung in der europäischen Bevölkerung vorzubeugen. Unsere Arbeitsgruppe war verantwortlich für den Bereich Sicherheit und Wirksamkeit von Vitamin-D2-optimierten Pilzen.

Nehmen Sie selbst Vitamin D als Nahrungsergänzung ein? Wenn ja, seit wann und wie kam es dazu?

Zur Deckung meines Vitamin-D-Bedarfs achte ich in allererster Linie auf einen regelmäßigen Aufenthalt im Freien. Im Sommer schaffe ich es, meinen Tagesablauf so zu strukturieren, dass ich mich zur richtigen Zeit genügend lang an der Sonne aufhalten kann um meine Speicher zu füllen. Da ich zudem auch meine Blutwerte sehr gut kenne und beobachte, benötige ich persönlich nur in der dunklen Jahreszeit (November-März) zusätzlich Vitamin D in Form eines Supplements.

Ich schaffe es oft nicht täglich daran zu denken und greife daher auf eine wöchentliche Einnahme zurück. Dazu multipliziere ich einfach meinen Tagesbedarf von 20 μg/Tag x 7 und komme so auf eine wöchentliche Einnahmemenge von 140 μg bzw. 5.600 Internationalen Einheiten (I.E.).

Essen Sie selbst gerne Pilze und ist Ihnen die Welt der Vitalpilze bekannt? Da gibt es ja ziemlich viele, die ganz ähnlich wie viele Vitamine positiv auf unser Immunsystem wirken können.

Zu den Vitalpilzen gehört unter anderem mein Lieblingspilz, der Shiitake, den ich neben anderen Speisepilzen wie Ganoderma lucidum und POMPOM zuhause selber züchte. Mit meinen Kindern gehe ich regelmäßig Pilze sammeln und wenn wir Glück bei der Suche haben, gibt es hinterher panierten Parasol, Wiesenchampignons (auch Vitalpilze!), oder Steinpilze. Diese sind bei uns in der Gegend sehr häufig zu finden.

Zum Glück für uns Erwachsene lieben meine Kinder das Sammeln der Pilze und die Soßen, jedoch nicht die Pilze selber. Demnach bleibt immer umso mehr für meine Frau und mich übrig. Den gesundheitlichen Effekt von Pilzen im Rahmen einer gesunden Ernährung darf man meiner Meinung nach auch außerhalb der Welt der Vitalpilze nicht unterschätzen.

Was machen Sie gerne, wenn Sie sich gerade nicht mit der Ernährung im Allgemeinen und dem Sonnenvitamin im Besonderen beschäftigen?

Als Familienvater und neuerdings Unternehmer im Bereich Sonder-Maschinenbau sind meine Tage immer recht gut gefüllt. Ich verbringe am Nachmittag und Abend viel Zeit mit meiner Familie und wir unternehmen gerne Ausflüge in die umliegenden Wälder. Wenn es nach meinen drei Jungs geht, könnten alle Tage im Skatepark beginnen und enden. Skaten war auch mein früherer Kindheits- und Jugendsport. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Leidenschaft durch meine Kids wiederentdeckt habe.

Im zweiten Teil unseres Interviews geht Paul Urbain genauer auf Vitamin D ein – warum Vitamin D wichtig für uns ist und wieso die Mehrheit der Bevölkerung unter einem Mangel leidet.

 

Mein Studium im Ernährungsmanagement und der Diätetik geht genau in die Richtung, die ich auch privat verfolge: "Lieber vorsorgen und dem Körper die Chance geben, gesund zu bleiben, als hinterher zu heilen." Die Mikronährstofftherapie ist das, was mich schon in der Uni sehr fasziniert und auch beruflich darf ich in diesem Bereich in die spezielle Welt der Vitalpilze eintauchen.