Frühling

Dr. Paul Urbain (Dr. rer. nat. im Bereich der Ernährungsmedizin und Diätetik) ist ein enger Berater von uns, der uns mit seiner Erfahrung und seinem tiefgreifenden Wissen über Ernährung und Vitamin D, auf unserer Reise zu unseren Vitamin D+C Kapseln begleitet hat. Während er uns im ersten Teil des Interviews Spannendes über Ernährung und Nährstoffe im Allgemeinen erzählt hat, gehen wir nun genauer auf das Sonnenvitamin ein.

Im ersten Teil des Interviews haben Sie durchklingen lassen, dass Ihre Leidenschaft bei Pilzen und Vitamin D liegt. Möchten Sie kurz etwas Allgemeines zu Vitamin D erzählen?

Sehr gerne. Unter allen Vitaminen nimmt das Vitamin D eine Sonderstellung ein, da es sowohl mit der Nahrung aufgenommen als auch im Körper mit Hilfe von UVB-Licht gebildet werden kann.

Die Entdeckung des „Sonnenschein-Vitamin“ war mit der Suche nach einem Therapeutikum gegen Rachitis verknüpft. Rachitis ist eine mit Vitamin-D-Mangel verbundene Erkrankung des wachsenden Knochens im Kindesalter.

Der Einfluss von Sonnenstrahlen in Bezug auf Prävention und Therapie von Rachitis wurde zum ersten Mal von einem polnischen Arzt im Jahre 1822 erkannt. Fast 100 Jahre später, im Jahre 1919 experimentierte ein  Arzt mit jungen Hunden, die an Rachitis erkrankt waren und konnte so erstmalig auch beweisen, dass durch die Fütterung von Fischleber-Öl Rachitis erfolgreich behandelt werden konnte.

Noch im selben Jahr gelang es einem Kinderarzt, Rachitis durch alleinige Lichttherapie (UV-Licht) zu heilen. Erst 1922 lieferte der Forscher Elmer McCollum den Beweis, dass die antirachitische Wirkung von Fischlebertran auf einer Verbindung beruht, die eine bedeutende Rolle im Knochenstoffwechsel spielt. Die neu entdeckte Substanz wurde – analog zu den bereits bekannten Vitaminen A, B und C – „Vitamin D“ genannt.

Wie kam in ihrer Arbeitsgruppe für das EU-Forschungsprojekt das Vitamin D in die Pilze und welche Bedeutung hat diese Forschung für die Zukunft von Vitamin D?

Pilze bilden genau wie der Mensch Vitamin D mit Hilfe des Sonnenlichts. Neben Tieren findet nur in Pilzen eine solche eigene Vitamin D-Synthese durch Sonnenlicht statt. Das Ganze beruht auf einem rein photochemischen Prozess, so dass hierfür kein lebendiger Organismus bzw. Stoffwechsel benötigt wird.

Die künstliche UV-Beleuchtung von z.B. Trockenpilzen führt dadurch zu einem sehr Vitamin D-reichen Lebensmittel. Die natürliche Anreicherung von Vitamin D2 durch UV-B-Bestrahlung dieses Speisepilzes scheint ein vielversprechender Ansatz zu sein, die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland, speziell für Vegetarier und Fischallergiker, zu verbessern. Dies gilt insbesondere angesichts der Tatsache, dass erstens durch UV-Licht Vitamin D-optimierte Champignons sowie Hefe die einzigen nicht tierischen, als Novel Food in der Europäischen Union (EU) zugelassene Lebensmittel  sind, was natürlich besonders interessant für Vegetarier und Veganer ist.

Zweitens ist unser wichtigster Vitamin D-Lieferant “Fisch” gefährdet, denn fast ein Drittel der wichtigsten Fischbestände gelten als überfischt oder bereits erschöpft und somit können die heutigen Fangquoten nicht nachhaltig gehalten, geschweige denn gesteigert werden.

Gibt es einen Unterschied zwischen Vitamin D aus Pilzen und tierischem Vitamin D?

Ja. Vitamin D aus Pilzen wird Vitamin D2 genannt, die chemische Struktur weicht minimal vom tierischen Vitamin D3 ab. Die Verstoffwechselung im menschlichen Organismus ist allerdings sehr ähnlich. Die meisten Leitlinien weltweit sowie Lehrbücher betrachten beide Vitamere als gleichwertig.

Neben der Auswertung von einigen Studien, ergab eine Subanalyse, dass beide Vitamere bei einer täglichen Gabe eine vergleichbare Wirksamkeit haben, um den Vitamin-D-Status zu verbessern. Jedoch ist das Vitamin D3 dem Vitamin D2 überlegen bei einmaligen oder regelmäßigen hochdosierten Injektionen, welche manchmal bei kranken und älteren Menschen zum Einsatz kommen.

Vitamin D2 ist darüberhinaus weniger toxisch als Vitamin D3 bei einer unbeabsichtigten Überdosierung. Vitamin D2 ist schon seit langer Zeit ein probates Mittel gegen Rachitis bzw. Osteomalazie und leistet einen wichtigen Beitrag zur Vitamin-D-Versorgung.

Bei der Wahl der Nahrungsergänzung gibt es aber noch etwas zu beachten: das auf dem Markt verfügbare Vitamin D3 wird in der Regel aus dem Wollfett von Schafen hergestellt und ist somit  nicht vegan. Vitamin D2 aus Champignons und Hefe sind die einzigen veganen Vitamin D-Quellen, welche in der EU zugelassen sind.

Im Internet findet sich immer mal wieder veganes Vitamin D3, welches durch UV-Beleuchtung von Rentierflechten (Pilz und Algen) aus Asien importiert wird. Der Verkauf von Rentierflechten zum Verzehr ist in der EU nicht zugelassen. Neben den nicht auszuschließenden Gesundheitsrisiken, kommen die verwendeten Rentierflechten fast ausschließlich aus Wildsammlungen.

Warum muss die Vitamin D Versorgung denn verbessert werden? Leben wir im Mangel?

Vitamin-D-Mangel ist heute ein weltweit verbreitetes Gesundheitsproblem mit epidemischem Ausmaß. Allein in Deutschland leidet mehr als die Hälfte der Bevölkerung an einem Vitamin-D-Mangel.

Laut der Nationalen Verzehrstudie II (2008) nimmt die deutsche Bevölkerung die größte Menge an Vitamin D über Fisch(-erzeugnisse), Krustentiere und Fischgerichte auf.

In einer ebenfalls im Jahre 2008 veröffentlichen Studie des Robert-Koch-Instituts konnte gezeigt werden, dass mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung an einem Mangel an Vitamin D leidet. 57% der untersuchten Männer und 58% der untersuchten Frauen wiesen ein erhebliches Vitamin-D-Defizit auf, da ihr Vitamin-D-Spiegel im Blut unterhalb des kritischen Grenzwertes von 50 nmol/l lag.

Wenn der Mensch Vitamin D selbst herstellen kann, warum besteht dann ein Mangel?

Für die Eigensynthese von Vitamin D gibt es ein paar Faustregeln für den Alltag:

Solange man in der Sonne einen Sonnenbrand bekommen könnte, findet noch eine Vitamin D Synthese in unserer Haut statt. Eine ausreichende Vitamin D Versorgung durch die Sonne bekommen wir also nur bei regelmäßigem Aufenthalt draußen und wenn der Sonnenstand noch nicht zu tief ist. Das ist circa von Mai-September.

Aber auch im Sommer findet morgens und abends keine eigene Vitamin D-Synthese in der Haut statt. Eine Faustregel lautet: Wenn der eigene Schatten am Boden größer wird als man selbst ist, dann ist der Sonnenstand so tief, dass die benötigte kleinwellige UV-B-Strahlung durch den verlängerten Weg in unserer Atmosphäre komplett herausgefiltert ist. Das ist hierzulande ganz schön häufig der Fall. Besonders während den üblichen Arbeitszeiten ist der Sonnenstand in den Sommermonaten optimal um Vitamin D zu bilden.

Das Hautkrebsrisiko darf bei allem Augenmerk auf Vitamin D auch nicht vernachlässigt werden. Wenn wir einen Sonnenbrand bekommen, dann war unser Aufenthalt in der Sonne 2-3x zu lange, als für eine optimale eigene Vitamin D-Synthese benötigt wird, da wir immer nur eine sehr kontrollierte Menge an Vitamin D selber herstellen können zum Schutz vor einer Überdosierung. Wenn mehr Vitamin D in der Haut hergestellt wird, als durch spezielle Proteine abtransportiert werden kann, dann führt weiteres UV-B-Licht der Sonne zur Zerstörung des Vitamin D.

Den Vitamin D Speicher über die Ernährung zu füllen ist nahezu unmöglich. Es weisen nur einige wenige Lebensmittel Vitamin D in nennenswerten Mengen auf, wodurch das Erreichen der Empfehlungen ohne wesentliche Veränderungen der Nahrungsmittelauswahl in Form von Fisch oder Vitamin-D-angereicherten Lebensmitteln sehr schwierig wird.

Vitamin D ist ein wichtiger Teil der Ernährung und Medizin: Warum?

Die Funktion von Vitamin D in der Regulation des Calcium- und Phosphathaushalts und dessen besondere Rolle für gesunde Knochen ist schon sehr lange bekannt. Zudem gibt es zahlreiche Studien die bei einem guten Vitamin D Spiegel das sinkende Sturz- und Frakturrisiko belegen. Ebenso konnte eine bessere Funktionalität des Bewegungsapparates nachgewiesen werden.

Der schützende Effekt von Vitamin D auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird als möglich eingestuft. Die Vitamin D-Supplementation bei Personen vorwiegend höheren Alters und mit zum Teil eingeschränkter Mobilität/eingeschränktem Gesundheitszustand senkt sehr wahrscheinlich das Mortalitätsrisiko.

Für das im Körper aktivierte Vitamin D sind eine Vielzahl weitere Funktionen belegt, die in aller Regel auf der Beeinflussung der Bildung wichtiger Proteine basieren und in keiner direkten Beziehung zum Knochenstoffwechsel stehen. Es sind mehr als 6000 Gene bekannt, die vom Vitamin D-Hormon mit beeinflusst werden.

In der Folge werden biologische Wirkungen beobachtet, die bei der Entstehung – und damit auch Prävention – von chronischen Krankheiten eine Rolle spielen könnten. In einer Reihe von wissenschaftlichen Studien konnte daraufhin belegt werden, dass ein langfristiger mangelhafter Vitamin-D-Status (< 50 nmol/l) mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von chronischen Krankheiten einhergeht, wie z. B. Diabetes mellitus Typ 1 und 2, Multiple Sklerose, kardiovaskuläre Erkrankungen und verschiedenen Krebsarten.

Vitamin D hört man manchmal im Zusammenhang mit Toxizität. Wie stehen Sie dazu?

Das Vitamin D, das wir dem Körper zuführen ist selbst erst einmal biologisch inaktiv und somit nicht toxisch. Der Körper reguliert die Aktivierung des Vitamins sehr streng, da dieses in seiner aktivierten Form hormonelle Wirkungen als potentes Steroidhormon hat.

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die tolerierbare Obergrenze für die tägliche Vitamin D-Zufuhr, unter der keine unerwünschten Wirkungen zu erwarten sind, vom Institute of Medicine (IOM) im Jahr 2011 auf 4.000 Internationale Einheiten (I.E.) bzw. 100 μg angehoben wurde.

Somit gelten 100 μg /Tag als unbedenklich. Dies entspricht 500% der Zufuhrempfehlung der DGE, wobei im Lebensmittelrecht für die Etikettierung noch der veraltete Wert der DGE von 5 μg/Tag gelistet ist, der vor 2012 gültig war. Somit sind die prozentualen Angaben auf den Etiketten eigentlich irreführend – damit würde der unbedenkliche Wert von 100 μg nämlich nicht 500% stellen, sondern laut verpflichtender Etikettierung sogar 2.000%.

Der Indikator für eine Toxizität wurde für Erwachsene auf die sogenannte Hyperkalzämie festgelegt, ein zu hoher Blutkalziumspiegel. In zwei Studien bei Männern konnte bei einer täglichen Einnahme von bis zu 275 μg/Tag bzw. 11.000 I.E./Tag keine Hyperkalzämie festgestellt werden. Lediglich die exzessive, regelmäßige Zufuhr von >1.000 μg bzw. 40.000 I.E. kann zur Intoxikation führen. Eine so hohe Einnahme über mehrere Monate hinweg ist toxisch und potenziell gefährlich.

Bei einem verantwortungsbewussten Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln ist dies jedoch nicht möglich – dazu müssten bei einem hochdosierten Produkt von 1000 I.E./Kapsel versehentlich täglich 40 Kapseln geschluckt werden. Eine Intoxikation durch zu viel Sonnenlicht ist wie oben beschrieben nicht möglich.

Vielen Dank lieber Herr Urbain für dieses großartige Interview!

Ich bin Mitarbeiterin im Vertrieb und Marketing bei Pilze Wohlrab. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich mich mit den Produkten zu 100% identifizieren kann. Bei Pilze Wohlrab fällt mir das besonders leicht, da die Qualität immer im Vordergrund steht und ich überzeugt bin, dass wir unseren Kunden damit etwas Gutes tun. Die Wunderwelt der Pilze fasziniert mich sehr und ich lerne immer wieder etwas Neues. Auch privat habe ich den Reishi Pilz für mich entdeckt, der mir hilft runterzufahren und zur Ruhe zu kommen.